In diesem Jahr wurde der 79. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge der nationalsozialistischen Konzentrationslager begangen. Aus diesem Anlass trat das Internationale Sachsenhausen Komitee zu seiner jährlichen Präsidiumstagung zusammen.

Das Internationale Sachsenhausen Komitee blickt In diesem Jahr auf sein 60-jähriges Bestehen zurück. Die ehemaligen Häftlinge schlossen sich nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat zu nationalen Häftlingskomitees zusammen. Es entstand der Wunsch- auch einen internationalen Verband zu bilden, der über Ländergrenzen und über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg die Verbundenheit der überlebenden Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen zeigen würde. Nach ihrer Befreiung schworen sie: „Nie wieder Krieg! Nie wieder Rassismus und Antisemitismus!“. Sie gelobten, gemeinsam eine neue Welt des Friedens und der Völkerverständigung aufzubauen.

„Hier war das ganze Europa“ erklärte der polnische Schriftsteller und Sachsenhausen-Häftling Andrzej Szczypiorski. Viele der befreiten Sachsenhausen-Häftlinge haben nach 1945 aktiv die Politik in ihren jeweiligen Heimatländern mitgestaltet. Und so wurden die ehemaligen Häftlinge der Konzentrationslager zu Gründungsvätern und -müttern der UNO und später der Europäischen Union.

Die sich seit längerem vollziehenden Veränderungen der politischen Verhältnisse in Deutschland und darüber hinaus, erfüllen uns mit großer Sorge.

Wir als Nachkommende, als Familienangehörige und als Freundinnen und Freunde der ehemaligen Sachsenhausen-Häftlinge haben die teure Verpflichtung auf uns genommen, das Vermächtnis der ehemaligen Häftlinge aus etwa 40 Nationen in Ehren zu halten.

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Vermächtnisses ist die Bitte an die jungen Menschen, ihren „Kampf gegen die Nazi-Ideologie und für eine gerechte, friedliche und tolerante Welt fortzuführen, eine Welt, in der Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus keinen Platz haben sollen“.

Daher rufen wir die wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger in Europa und Deutschland dazu auf:

  • Gehen Sie zur Wahl! Wer nicht wählt, erleichtert es extremistischen Strömungen, einen größeren Einfluss auf die Politik zu bekommen.
  • Gehen Sie zur Wahl! Niemand hat gesagt, dass Demokratie leicht ist. Eine Demokratie kann aber nur dauerhaft bestehen, wenn sich die Bürgerinnen und Bürger aktiv an ihr beteiligen.
  • Wählen Sie sorgfältig! Geben Sie nur denjenigen Parteien und Kandidaten Ihre Stimme, die die Identität der Völker Europas und darüber hinaus respektieren.
  • Geben Sie nur denjenigen Parteien und Kandidaten Ihre Stimme, die die Vielfalt in unserer Gesellschaft als einen festen Bestandteil des friedlichen Zusammenlebens, als Bereicherung der europäischen Kultur, der Wissenschaft und der Kunst ansehen.

Die Abgeordneten sollen in ihren Parlamenten die Ideen des Vermächtnisses unserer Vorfahren, von denen viele ihr Leben für eine Zukunft in Frieden und Freiheit geopfert haben, in Ehren halten.

Oranienburg/Sachsenhausen, April 2024

15.06.2024, 11.00 Uhr

Vor 90 Jahren, im Juli 1934, wurde in Berlin das ehemalige Militärstrafgefängnis am Tempelhofer Feld in das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager integriert. Dieses Lager, in dem bis 1936 mehr als 8.000 Männer inhaftiert waren, geriet über Jahrzehnte in Vergessenheit. Erst mit der Diskussion um das Gelände des ehemaligen Tempelhofer Flughafens erhielt das Columbia-Haus wieder mehr Aufmerksamkeit.

Die von Karoline Georg, Kurt Schilde und Johannes Tuchel kuratierte Ausstellung beschreibt das Konzentrationslager Columbia-Haus als zentrales Instrument der frühen politischen Verfolgung in Berlin, das zum Ausbildungszentrum für viele spätere KZ-Kommandanten wurde.

Hier wurde von Frühjahr 1933 bis November 1936 Terror gegen Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Juden, Geistliche, Andersdenkende und Homosexuelle ausgeübt.

Die Ausstellung zeigt exemplarisch Lebensgeschichten von Häftlingen und will das Columbia-Haus so im Gesamtkontext des nationalsozialistischen Terrors in Berlin sichtbar machen.

Es ist uns gelungen, die Leiterin der Gedenkstätte Stille Helden und des Museums Blindenwerkstatt Otto Weidt sowie Mit-Kuratorin dieser Ausstellung, Dr. Karoline Georg, für eine Führung zu gewinnen.

Dr. Karoline Georg hat im Rahmen ihres Studiums zur Geschichte des KZ-Columbia-Haus geforscht und hierzu ihre Dissertation geschrieben.

Treffpunkt:

15.06.2024, 10:50 Uhr

Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Stauffenbergstraße 13 – 14

D-10785 Berlin

In der Zeit vom 12. bis 15. April 2024 erinnern die Gedenkstätte Sachsenhausen und das Internationale Sachsenhausen-Komitee (ISK) an den 79. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge des KZ Sachsenhausen. Auf dem Programm stehen Gedenkveranstaltungen, eine Ausstellungseröffnung sowie die Verleihung des Franz-Bobzien-Preises.

Bei der Gedenkveranstaltung am Sonntag, 14. April, um 15.30 Uhr werden nach der Begrüßung durch Stiftungsdirektor Axel Drecoll und den ISK-Präsidenten Dik de Boef die stellvertretende Ministerpräsidentin und Gesundheitsministerin, Ursula Nonnemacher, und Dotschy Reinhardt, stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Ansprachen halten. Es folgen Gebete und eine Kranzniederlegung. Im Rahmen dezentraler Gedenkveranstaltungen werden ab 14.00 Uhr Opferverbände und andere Betroffene an unterschiedlichen Orten in der Gedenkstätte an einzelne Opfergruppen erinnern.

Um 12.00 Uhr wird das Projekt „Wir intervenieren! Kritische Perspektiven auf die Ausstellung ‚Sinti und Roma im KZ Sachsenhausen‘“ vorgestellt. Auf Einladung der Gedenkstätte Sachsenhausen und des Bildungsforums gegen Antiziganismus haben Menschen aus den Communities der Sinti und Roma sowie Angehörige der sogenannten „Dominanzgesellschaft“ im Ausstellungsteil „Sinti und Roma im KZ Sachsenhausen“ in der vor 20 Jahren eröffneten Dauerausstellung „Medizin und Verbrechen“ im ehemaligen Krankenrevier mit ihren Gedanken und Positionen „interveniert“. Das Format der „Intervention“ stellt eine wenig aufwändige Möglichkeit dar, um kurzfristig aktuelle Perspektiven in bestehende Dauerausstellungen einzubringen. Im Fokus stehen dabei die Auseinandersetzung mit rassistischen historischen Begriffen und problematischen Exponaten wie etwa den Gesichtsmasken und Kopfplastiken von Sinti und Roma aus der NS-Zeit sowie der Kampf der Minderheit gegen Antiziganismus seit 1945.

Bereits um 10.00 Uhr wird zum achten Mal der Franz-Bobzien-Preis verliehen. Mit der Auszeichnung, die mit 3.000 Euro dotiert ist, würdigen die Stadt Oranienburg und die Gedenkstätte Sachsenhausen alle zwei Jahre in Berlin und Brandenburg angesiedelte Projekte, die das Engagement für Demokratie und Toleranz auf besonders gelungene Weise mit zeitgeschichtlicher Bildung verknüpfen.

Bereits am Freitag, 12. April 2024, wird um 14.00 Uhr mit einer Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald an die Befreiung der Häftlinge des KZ Sachsenhausen erinnert. Nach der Begrüßung durch Gedenkstättenleiterin Carmen Lange und Stiftungsdirektor Axel Drecoll werden Kulturstaatsministerin Claudia Roth und die brandenburgische Kulturministerin Manja Schüle zu den Anwesenden sprechen. Es folgen Grußworte von Mireille Cadiou, Tochter des Überlebenden Marcel Suillerot und Präsidentin des französischen Häftlingsverbandes, sowie ISK- Vizepräsident Andreas Meyer. Die Gedenkveranstaltung endet mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal. Anschließend stehen Präsentationen einer Ausstellung von Jugendlichen aus Berlin-Lichtenberg sowie des Kunstwerks „The Table for Tomorrow“ von Renee van Bavel sowie ein Generationengespräch auf dem Programm.

Am Montag, 15. April, um 10.00 Uhr findet eine Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung am ehemaligen KZ-Außenlager „Klinkerwerk“ in Oranienburg statt, das als Todeslager des KZ Sachsenhausen gilt. Die stellvertretende Gedenkstättenleiterin Astrid Ley und ISK-Präsident Dik de Boef werden die Anwesenden Gäste begrüßen. Der brandenburgische Bildungsminister Steffen Freiberg und der Botschafter der Tschechischen Republik, Tomáš Kafka, werden zu den Anwesenden sprechen.

Weitere Informationen zum Programm:

https://www.sachsenhausen-sbg.de/veranstaltungen/2024-04-14t000000z-79-jahrestag-der-befreiung-der-haeftlinge-des-kz-sachsenhausen

(Pressemitteilung SBG 16/2024 | Oranienburg, 05. April 2024)

Am Montag, 18. März 2024 wurde die Ausstellung „Verwaltung als Verbrechen. Die SS-Behörde ‚Inspektion der Konzentrationslager‘“ im sogenannten T-Gebäude in Oranienburg in Anwesenheit von Tobias Dünow, Staatssekretär für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, eröffnet. Die Ausstellung ist das Ergebnis einer Überarbeitung und medialen Erweiterung der seit 2013 am historischen Ort im ehemaligen Dienstzimmer des Chefs der SS-Behörde gezeigten Ausstellung zur „Inspektion der Konzentrationslager“ (IKL). In dem Gebäude am Heinrich-Grüber-Platz befinden sich heute das Finanzamt und die Geschäftsstelle der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

Von 1938 bis 1945 war hier der Sitz der IKL, die von Oranienburg aus das System der Konzentrationslager verwaltete und steuerte. Zuletzt bestimmten rund 100 SS-Angehörige über die Lebensbedingen in den Lagern, sie organisierten die Ausbeutung durch Arbeit, ordneten Strafmaßnahmen und Misshandlungen von Häftlingen an und koordinierten Mordaktionen. Gleichzeitig sorgten sie für Schulung, Besoldung und Ausstattung des Lagerpersonals. Hierfür entwickelte die IKL einen bürokratischen Apparat mit Zuständigkeiten, Abläufen und einem eigens geschaffenen Formularwesen. Dieser Apparat und die Männer, die ihn betrieben, stehen im Mittelpunkt der neuen Dauerausstellung.

Kernstück der Ausstellung bildet ein Multi-Touch-Tisch, an dem Besucherinnen und Besucher unterschiedliche Dokumente betrachten und entschlüsseln können. Dabei handelt es sich um Anschreiben, die in diesem Gebäude verfasst, oder um Formulare, die hier für die Anwendung in den Konzentrationslagern entworfen wurden. Die Merkmale und Kennzeichen, vom Aktenzeichen über Stempel bis zu Anmerkungen und Unterschriften, werden erkennbar gemacht, erläutert und kontextualisiert.

Ausstellungskuratorin Sylvia Ehl: „Die auf einem digitalen Medientisch präsentierten und erläuterten Dokumente dienen nicht vordergründig als historische Quellen, sondern als Beweisstücke, die erkundet und nach Indizien durchsucht werden können. Die Besucherinnen und Besucher sollen angeregt werden, das Verbrecherische im Verwaltungshandeln der SS-Behörde aufzudecken und die bürokratischen Prozesse, die Organisationsstrukturen und Hierarchien im Hintergrund des Grauens in den Konzentrationslagern zu erkennen.“

Die Ausstellung wurde in enger Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen entwickelt, das die Anwendung für den Medientisch nicht nur mitgestaltet, sondern deren Entwicklung auch mit empirisch-psychologischen Studien begleitet hat. So sollte gewährleistet werden, dass im Zusammenwirken digitaler und analoger Medien vielfältige Zugänge zum Thema geschaffen werden, die auch Gäste ohne Vorwissen zu einer Beschäftigung mit den Ausstellungsinhalten einladen.

Die Ausstellung entstand im Rahmen eines umfangreichen Digitalisierungsprojekts der Gedenkstätten Sachsenhausen und Buchenwald, das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie von der Thüringer Staatskanzlei und dem Land Brandenburg mit insgesamt 1,59 Mio. Euro gefördert wurde.

Ort: T-Gebäude (Finanzamt) | Heinrich-Grüber-Platz 3 | 16515 Oranienburg

Öffnungszeiten: Mo, Do, Fr 9.00 bis 12.00 Uhr | Di 9.00 bis 17.00 Uhr sowie auf Anfrage

(Pressemitteilung SBG 11/2024 | Oranienburg, 11. März 2024)

Nachruf

Am 28. Mai 2023 verstarb Edgar Frischmann im Alter von 101 Jahren nach langer Krankheit in Budapest. Er wurde am 02.Juni 2023 auf dem Israelitischen Friedhof an der Kozma-Straße in Budapest beigesetzt.

Edgar Frischmann wurde am 14.März 1922 in Wien geboren.

Im Dezember 1944 kam er als 22jähriger in das Konzentrationslager Sachsenhausen und im Block 10 untergebracht. Er wurde im Heinkel-Außenlager und bei den Deutschen Ausrüstungwerken (DAW) eingesetzt.

Als das Lager von der SS im April 1945 evakuiert wurde, musste auch er auf den Todesmarsch in Richtung Norden. In der Nähe des Belower Waldes wurde er durch Truppen befreit.

Nach Ungarn zurückgekehrt, studierte er Rechtwssenschaften. Im Jahr 1953 wurde er Staatsanwalt in der Bezirksstaatsanwaltschaft Kiskunfélegyházi, zuletzt im Rang eines Oberstaatsanwaltes. Nach seiner Pensionierung vertrat er als Sekretär die Interessen der Gewerkschaft.

Über viele Jahrzehnte war Edgar Frischmann als Vertreter der ungarischen Sachsenhausen-Häftlinge Vizepräsident des Internationalen Sachsenhausen Komitee. Letztmalig nahm er im Jahre 2019 im Alter von 97 Jahren an der Präsidiumstagung des Internationalen Sachsenhausen Komitees teil.

Das Internationale Sachsenhausen Komitee verliert mit Edgar Frischmann einen sehr guten, treuen und geschätzten Freund und einen langjährigen Mitstreiter. Er und sein reichhaltiger Erfahrungsschatz, seine freundliche und humorvolle Art werden uns allen sehr fehlen. Wir werden Edgar immer in würdiger Erinnerung behalten.

Im Namen der Mitglieder des Präsidiums des Internationalen Sachsenhausen Komitee und des Deutschen Sachsenhausen-Komitees e.V.

Andreas Meyer

Stellvertretender Präsident Internationales Sachsenhausen Komitee

Vorsitzender Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Im April 2024 wird anlässlich des 79. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen zum achten Mal der Franz-Bobzien-Preis vergeben. Ab sofort können Bewerbungen für den Preis eingereicht werden. Mit der Auszeichnung würdigen die Stadt Oranienburg sowie die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen Projekte in Brandenburg und Berlin, die in einem besonderen Maße zu Demokratie, Toleranz und Vielfalt beitragen. Besondere Beachtung erfahren zudem Projekte, bei denen es gelingt, die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und seiner Folgen in Deutschland mit der Gegenwart zu verknüpfen. „Wir leben in Zeiten von Verunsicherung, Krieg und Populismus. Scheinbar selbstverständliche Werte wie Freiheit, Demokratie und eine offene Gesellschaft sind dadurch in Bedrängnis geraten. Gerade in dieser angespannten Lage ist es wichtiger denn je, diese Werte hochzuhalten und zu verteidigen, denn sie sind die Voraussetzung für Frieden und Wohlstand“, so Bürgermeister Alexander Laesicke. „Sowohl in Brandenburg als auch in Berlin gibt es viele Menschen, die genau das tun, Tag für Tag, in verschiedensten Projekten. Diese Menschen möchten wir mit dem Franz-Bobzien-Preis auszeichnen.“

„In Zeiten von fake news, Geschichtspropaganda und zunehmendem Rechtspopulismus ist historisch-politische Bildung wichtiger denn je“, sagt Astrid Ley, stellvertretende Leiterin der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen. „Fundierte Kenntnisse über Ursachen, Mechanismen und Folgen von Staats- und vor allem der NS-Verbrechen sind eine wichtige Hilfestellung, um Geschichtsmythen zu entlarven. Diese dienen häufig dazu, Gewalt, Rassismus und Antisemitismus zu flankieren, wie es auch der gegenwärtige Hamas-Terror gegen Israel zeigt. Um junge Menschen zu erreichen und historische Kenntnisse in die Gesellschaft zu tragen, muss die historisch-politische Bildung immer wieder neue Formen und Formate finden. In diesem Sinne will der Franz-Bobzien-Preis auch Anreger für kreative und innovative Geschichtsprojekte sein, auf deren zahlreiche Bewerbungen wir uns freuen.“ Das Preisgeld für das Gewinnerprojekt beträgt 3000 Euro. Die Zweit- und Drittplatzierten erhalten attraktive Sachpreise. Bewerbungsschluss ist der 15. Dezember 2023. Bewerben können sich Vereine, Schulen, sonstige Bildungseinrichtungen, Initiativen und Einzelpersonen aus Brandenburg oder Berlin. Die Wettbewerbsteilnehmer können sich als Projektträger direkt bewerben oder vorgeschlagen werden. Die genauen Bewerbungsmodalitäten können auf www.oranienburg.de/bobzienpreis nachgelesen werden. Der Franz-Bobzien-Preis wird von der Stadt Oranienburg und der Gedenkstätte Sachsenhausen getragen und von zahlreichen Partnern unterstützt.

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Edgar Dzialdow, 1930 in Berlin geboren, und seine Familie wurden im Oktober 1938 als „staatenlose Juden“ nach Polen deportiert. Über das Ghetto Lodz und Auschwitz kam er nach Sachsenhausen, wo er 1945 befreit wurde. Als einziger Überlebender seiner Familie studierte er Medizin und wurde Allgemeinmediziner. Erst kürzlich feierte er mit uns den 78. Jahrestag seiner Befreiung. Nun ist er in Hamburg gestorben.

Thomas Buergenthal wurde 1934 im slowakischen Lubochna geboren. Seine jüdischen Eltern hatten Deutschland schon bald nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlassen, um in der Tschechoslowakei zu leben. Nach der deutschen Besetzung wurde die Familie in das polnische Getto Kielce verschleppt und schließlich nach Auschwitz deportiert, wo sie getrennt wurde. Buergenthals Vater wurde kurz vor der Befreiung im Lager erschossen. Mit dem Todesmarsch gelangte der zehnjährige Junge von Auschwitz in das KZ Sachsenhausen. Hier erlebte er als einer von rund 3.000 Häftlingen, die nach der Räumung des Lagers durch die SS zurückgeblieben waren, am 22./23. April 1945 die Befreiung.

Er fand nach dem Krieg seine Mutter wieder und lebte mit ihr zunächst in Göttingen, bevor er 1951 in die USA auswanderte.

Dort machte er nach dem Studium der Rechtswissenschaften eine glanzvolle akademische Karriere als Jurist. Von 1962 bis 2000 hatte er Professuren an verschiedenen amerikanischen Universitäten inne.

Neben seinen vielfältigen akademischen Tätigkeiten engagierte Buergenthal sich seit 1974 für die Belange von Menschenrechten auf UNESCO-Kongressen und war Mitglied des amerikanischen Holocaust Memorial Councils. Die USA entsandten ihn zudem als Richter an den Internationalen Gerichtshof (IGH) im niederländischen Den Haag, der für Klagen zwischen Staaten und die Prüfung von Kriegsverbrechen zuständig ist.

Er erhielt im Laufe der Zeit zahlreiche internationale Auszeichnungen und Ehrentiteln und ist Mitherausgeber mehrerer Fachzeitschriften sowie Autor zahlreicher Bücher, Essays und Artikel.

2005 besuchte Thomas Buergenthal das KZ Sachsenhausen anlässlich des 60. Jahrestags der Befreiung. Damals sagte er in seiner Ansprache: „Wir würden gerne glauben, dass kein vernünftiger Mensch fähig wäre, derartige Verbrechen mit Absicht zu begehen, doch die Geschichte lehrt uns etwas anders. Und solange wir diese Wahrheit nicht anerkennen und daraus die notwendigen Konsequenzen ziehen, werden wir niemals in der Lage sein, künftige Völkermorde und andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verhindern.“

Oljean Ingster, geboren am 2. Februar 1928 in Proszowice bei Krakau, wurde als polnischer Jude 1941 gemeinsam mit seiner Familie von den deutschen Besatzern inhaftiert. In der Folge musste der erst 13-jährige Ingster zunächst für Daimler-Benz im Flugmotorenwerk Reichshof arbeiten. Von 1941 bis 1945 überlebte er insgesamt acht Konzentrationslager, darunter Plaszow, Flossenbürg, Lager in Elsass-Lothringen und schließlich das KZ Sachsenhausen. Von dort aus schickte die Lager-SS ihn auf den Todesmarsch, von dem Ingster am 2. Mai 1945 in Mueß bei Schwerin fliehen konnte. Seine Eltern, seine Schwester und alle anderen Verwandten wurden von den Nationalsozialisten ermordet.

Oljean Ingster entschied sich für den Verbleib in Schwerin, holte seinen Schulabschluss nach und begann eine Ausbildung zum Elektromonteur. Außerdem engagierte er sich beim Aufbau der Jüdischen Gemeinde Schwerins, ab Ende der 1950er Jahre leitete Ingster als Kantor regelmäßig Gottesdienste. 1960 zog Ingster nach Berlin, wo er von 1966 bis 2016 als Kantor in der Synagoge in der Rykestraße im Prenzlauer Berg tätig war.

Als Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde in Ost-Berlin von 1971 – 1990 und der deutsch-israelischen Gesellschaft bis 2005 engagierte er sich für die Verständigung zwischen deutschen Juden, Deutschen anderen Glaubens und Israelis. Ingster wurde unter anderem mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Silber sowie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse geehrt. Zuletzt lebte er mit seiner Frau in Woltersdorf bei Berlin.

Oljean Ingster ist am 20. Mai 2023 im Alter von 95 Jahren verstorben. Die Beisetzung in der Ehrenreihe des Jüdischen Friedhofs in Berlin-Weißensee fand am 25. Mai 2023 statt.

In der Gedenkstätte Sachsenhausen wird ein Gedenkzeichen für die Häftlinge mit dem schwarzen Winkel eingeweiht*

Am Sonntag,18. Juni 2023, um 14.00 Uhr wird in der Gedenkstätte Sachsenhausen anlässlich des 85. Jahrestag der „Aktion Arbeitsscheu Reich“ ein Gedenkzeichen für die mit dem schwarzen Winkel markierten Häftlinge im Konzentrationslager Sachsenhausen eingeweiht. Nach der Begrüßung durch die stellvertretende Gedenkstättenleiterin Astrid Ley und einem Grußwort von Tahera Ameer vom Vorstand der Amadeu Antonio Stiftung folgen Ansprachen von Erhard Grundl, MdB, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, sowie Frank Nonnenmacher, Neffe eines Sachsenhausen-Überlebenden und Erster Vorsitzender des Verbandes für die Erinnerung an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus.

Im Juni 1938 verschleppten Kriminalpolizisten mehr als 10.000 Menschen in Konzentrationslager, wo sie mit einem schwarzen Winkel gekennzeichnet wurden. Die reichsweite Verhaftungsaktion richtete sich gegen eine sehr heterogene Gruppe von Menschen, die von den Nationalsozialisten als „asozial“ gebrandmarkt wurden. Unter ihnen befanden sich Personen, die wegen „Bettelei“ und „Landstreicherei“ vorbestraft waren, Wohnungslose und Alkoholkranke, Unterhaltsverweigerer sowie weitere Menschen, die aufgrund ihres Lebenswandels nicht der nationalsozialistischen Volksgemeinschafts-Ideologie entsprachen. Auch streikende Arbeiter, Juden und Sinti und Roma waren von den Verhaftungen betroffen.

Mehr als 6.000 Männer wurden während der Aktion in das KZ Sachsenhausen gebracht. Doch auch nach deren Ende wurden die Verhaftungen fortgesetzt. Insgesamt lassen sich für das KZ Sachsenhausen mehr als 11.100 als „asozial“ stigmatisierte Häftlinge nachweisen. Viele von ihnen überlebten die Haft nicht. Sie starben durch Hunger, Krankheiten oder die Gewalt der SS.

In der Erinnerungskultur ist die Opfergruppe der als „asozial“ Stigmatisierten bis heute marginalisiert. Erst 2020 erkannte der Bundestag sie als NS-Verfolgte an. Nur wenige der Betroffenen haben nach 1945 öffentlich über ihre Erfahrungen in den Konzentrationslagern gesprochen. In der Gedenkstätte Sachsenhausen erinnert seit 2017 ein von Nachkommen errichtetes Gedenkzeichen an Clemens Paul Feige, der als „Asozialer“ im KZ Sachsenhausen umkam.

Das Gedenkzeichen für die Häftlinge mit dem schwarzen Winkel wurde von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert